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Vibian Chepkirui hofft auf dritten VCM-Triumph

Die Streckenrekordhalterin führt ein hochklassiges Elite-Feld an

Zum dritten Mal geht Vibian Chepkirui beim Vienna City Marathon an den Start. 2021 und 2022 triumphierte sie, beim zweiten Mal in noch aktueller Streckenrekordzeit von 2:20:59 Stunden. Mit einem dritten Erfolg am Sonntag könnte sie ihre Landsfrau und Vorgängerin als Streckenrekordhalterin, Nancy Kiprop, als VCM-Rekordsiegerin einholen.

Die Frage nach ihrem Lieblingsmarathon ist eine leichte für Vibian Chepkirui: der Vienna City Marathon. Gerne erinnert sie sich an ihre beiden Siege zurück. „Wien hat einen speziellen Platz in meinem Herzen“, bestätigte sie heute. Die Wahl, in den letzten beiden Frühlingssaisonen den Boston Marathon zu bestreiten, hat sich für die 30-Jährige fast zwangsläufig daher nicht als erfolgsträchtig erwiesen. Dass die Kenianerin in den letzten Jahren dennoch weiterhin auf hohem Niveau performte, belegen ihre Herbst-Leistungen beim Berlin Marathon 2022 (2:22:21) und als Siegerin des Peking Marathon 2023 (2:21:57).

Nun ist sie also zurück bei ihrem Lieblingsmarathon, wo sie sich besonders wohlfühlt und wo sie besonders erfolgreich war. Zurück beim Vienna City Marathon. Sie ist bereit, wie sie heute bei der Pressekonferenz, unterstützt von einem Schmunzeln, gewollt lapidar sagte: „Meine Vorbereitung lief gut, meine Form ist nicht schlecht.“ Mitte Februar siegte sie bei ihrer Wettkampf-Generalprobe, ein 15km-Lauf in Kapsabet auf einer Meereshöhe von fast 2.000m, in einer Zeit von 51:14 Minuten.

Der Wunsch nach dem Hattrick

Vibian Chepkirui lebt seit zwei Jahren in Iten, im wohl bekanntesten Trainingszentrum im kenianischen Hochland. Das Laufen hat sie, wie so viele Athletinnen und Athleten aus Ostafrika, auf dem Schulweg erlernt. Sie lief rund vier Kilometer in die Grundschule und wieder heim – zweimal pro Schultag.

Ihr Wiener Streckenrekord von 2:20:59 Stunden ist immer noch ihre persönliche Bestleistung. Gelingt der Hattrick, wäre Chepkirui die zweite Dreifachsiegerin beim Vienna City Marathon nach Nancy Kiprop, die von 2017 bis 2019 sogar dreimal in Serie am obersten Stockerl des VCM stand. Bei den Männern gibt es mit dem Tiroler Gerhard Hartmann und dem Kenianer Henry Sugut zwei Dreifachsieger in der 1984 beginnenden Historie von Österreichs wichtigster Laufveranstaltung.

Nur auf eines müsste Chepkirui selbst im Falle eines dritten Triumphs verzichten: die Begegnung mit Bundespräsident Alexander van der Bellen am Tag nach dem Marathon. Der Hand-Shake mit dem Staatsoberhaupt ist der Athletin nämlich besonders positiv in Erinnerung geblieben.

Tanui mit offensiven Ankündigungen

Aufgrund ihrer Vorleistungen und der beiden Erfolge beim Vienna City Marathon liegt die Rolle der Favoritin zurecht auf Chepkiruis Schultern. Doch ihre Landsfrau Rebecca Tanui will ihr das Feld keineswegs kampflos überlassen. „Ich bin hier, weil ich gewinnen will!“, beantwortete sie kurz und knapp die Frage nach ihren Erwartungen. „Ich gehe davon aus, am Sonntag meine volle Leistungsfähigkeit abrufen zu können. Ich blicke auf eine gelungene und verletzungsfreie Vorbereitung zurück“, ergänzte die 32-Jährige.

Die Kenianerin hat drei ihrer fünf internationalen Marathons gewonnen: 2022 in San Sebastian, 2023 in Venedig und 2024 in Kosice. Beim ältesten jährlich durchgeführten Marathon Europas in der Ostslowakei lief sie vor sechs Monaten eine persönliche Bestleistung von 2:21:08 Stunden und damit einen deutlichen Streckenrekord. Alle drei dieser Erfolge fallen in die Herbstsaison, Tanui würde am Sonntag gerne ihren Premierensieg im Frühling feiern. Auch für sie ist es der dritte Auftritt beim Vienna City Marathon, allerdings der erste gemeinsame mit Chepkirui. In den vergangenen beiden Jahren lief Tanui als Vierte und Dritte ins VCM-Ziel.

Ein Jahr nach der Sensation

Der Vienna City Marathon 2024 war ein besonderer Tag im Leben von Faith Chepkoech. Als Rookie stürmte die damals 26-Jährige in ihrem ersten Marathon außerhalb Afrikas auf den zweiten Platz und zu einer massiven persönlichen Bestzeit von 2:26:22 Stunden. Dieser Durchbruch habe ihr Leben schlagartig verändert, erzählte sie heute: „Seither bin ich eine ganz andere Läuferin als vor dem VCM 2024. Am Sonntag stehe ich gemeinsam mit Champions wie Vibian und Rebecca ganz vorne an der Startlinie. Vor gut einem Jahr war das für mich noch außerhalb jeglicher Vorstellungskraft.“

Mit Prognosen zu ihrer Leistung am Sonntag hielt sich die Kenianerin zurück. „Vibian und Rebecca haben viel mehr Erfahrung als ich. Ich werde versuchen, ihnen nachzulaufen.“ Catherine Cherotich, überraschende Vierte beim Frankfurt Marathon 2024, Routinier Risper Chebet und Debütantin Beatrice Mutai, die ältere Schwester von Mittelstrecken-Superstar Faith Kipyegon, sind drei weitere starke Kenianerinnen im viel versprechenden Elitefeld der Frauen.

Zwei starke Europäerinnen

Im voraussichtlich spannenden Umfeld der Verfolgergruppe wollen auch zwei europäische Marathonläuferinnen mit guten Platzierungen aufzeigen: Fabienne Königstein aus Deutschland, die vor vier Wochen den Nagoya Women’s Marathon bestritten und in einer Zeit von 2:28:20 Stunden beendet hat, und die ungarische Rekordhalterin Nora Szabo.

Hamburger Marathon-Abenteuer als Mutter

Die 32-jährige Königstein, die 2020 den Masterstudiengang der Molekularbiologie an der Universität in Heidelberg abgeschlossen hat und mit einem Sportarzt verheiratet ist, hat eine persönliche Bestleistung von 2:25:48 Stunden, die sie mit spannenden Vorzeichen beim Hamburg Marathon 2023 erzielte.

Neun Monate zuvor brachte sie ihre Tochter Skadi auf die Welt. Fünf Monate später gab sie beim Hockenheimringlauf ihr Comeback und reiste anschließend mit Mann und Töchterchen ins Höhentrainingslager nach Kenia. Nachdem sie bei den deutschen Halbmarathon-Meisterschaften in Freiburg überraschend Dritte wurde, entschied sie sich kurzfristig, auch hinblicklich der Olympia-Qualifikation für Paris, den Marathon in Hamburg zu laufen, wo sie als Achte und mit Abstand beste Deutsche verblüffte.

Nachdem sie verletzungsbedingt 2024 kaum Wettkämpfe bestreiten konnte und den Platz im Bundeskader des DLV verlor, begann sie aktiv, sich mit öffentlichen Stellungnahmen für bessere Unterstützung und Förderung von Leistungssportlerinnen einzusetzen, die sich entscheiden, Spitzensportlerin und Mutter zu sein.

Mitten im zweiten Frühling

Die 37-jährige Nora Szabo ist eine sehr erfahrene Marathonläuferin. Je länger ihre Karriere andauerte, desto beeindruckender wurden ihre Steigerungsraten. Beim Sevilla Marathon 2023 lief sie ihren ersten ungarischen Rekord (2:28:25) und qualifizierte sich für die Heim-WM in Budapest, wo sie den Marathon als beachtliche 24. beendete. Beim Berlin Marathon 2024 steigerte sie ihren nationalen Rekord auf eine Zeit von 2:27:31 Stunden, gut zwei Monate später legte sie beim Valencia Marathon ihren dritten ungarischen Marathonrekord nach: 2:25:52 Stunden.

Damit ist Nora Szabo auch die klare Favoritin auf den ungarischen Meistertitel. Die ungarischen Meisterschaften sind zum dritten Mal in den Vienna City Marathon integriert.

VCM News / Medien-Info / Thomas Kofler